Wer war Artur Immisch?

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Alte Fotografie von Artur Immisch

Er passte in keine der beiden verhängnisvollen Ideologien des 20.Jahrhunderts: Der aus einer gutbürgerlichen, wohlhabenden Familie stammende promovierte Jurist, Pianist und Komponist Artur Immisch. Die Werke, welche er interpretierte und komponierte, offenbaren sein Interesse für ferne Länder und fremde Völker. Wehruntauglich und sich dem Drängen zu einer NSDAP-Mitgliedschaft widersetzend wurde seine Laufbahn am Dresdner Konservatorium beendet. Von den „Befreiern“ 1945 als reicher Kapitalist verpönt musste er zusehen wie sein Grundeigentum in seiner Heimatstadt Bautzen von russischen Offizieren okkupiert wurde. Dabei war Artur Immisch anderseits durchaus ein Kind seiner Zeit, zeigen doch der musikalische Nachlass und Konzertprogramme bemerkenswertes Interesse für zeitgenössische Autoren und Komponisten. Immisch gehört nicht zu den unzähligen Spätromantikern des 20.Jahrhunderts. Er suchte, experimentierte, streifte die Atonalität und fand seine musikalische Heimat im französischen Impressionismus mit Anklängen an Debussy und Ravel. Die Übersetzungen chinesischer und japanischer Lyrik von Hans Bethge dominieren sein Schaffen im Bereich des Klavierliedes. Die Gedichte waren seinerzeit eine Modeerscheinung und erlangten vor allem durch Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ Berühmtheit. Immisch vertonte zudem Paul Verlaine, Ricarda Huch, Friedrich Nietzsche, Joseph von Eichendorff, Nikolaus Lenau, Hermann Hesse und andere.

Der Stadt Dresden bekundete er seine Verbundenheit mit dem kleinen Klavierzyklus „Bilder aus dem Großen Garten“. Amüsant und von beispiellosem Sachverstand sind die Rezensionen über Musiktheateraufführungen am Bautzner Stadttheater. Seiner letzten Schülerin am Dresdner Konservatorium, der ehemaligen Bautzner Klavierpädagogin Brigitta Lubke, ist es zu verdanken, dass seine Kompositionen und der hier in Auswahl ausgestellte musikalische Nachlass erhalten geblieben sind. Gerade einmal vier Fotos existieren noch von Artur Immisch. Es gibt keine Nachfahren. 1989 starb mit Margot Immisch das letzte Mitglied dieser Familie, welche die Wohnhäuser auf der Lessingstraße 2 und 3 besaß. Ab 1990 gab es einige zaghafte Initiativen den musikalischen Nachlass von Artur Immisch zu erschließen bevor ab 1997 auch mit Unterstüzung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen der Notensatz eines Teils seiner Werke erstellt werden konnte. Einige wurden seitdem in Konzerten aufgeführt und auch produziert. Sogar das Sorbische Nationalensemble hatte den Namen Artur Immisch in den vergangenen Jahren im Programm, obwohl er kein Sorbe war. Am 24.November 2022 wäre Artur Immisch 120 Jahre alt geworden. Die Ausstellung zeigt Stationen seiner Laufbahn als Pianist und Begleiter von Sängern und Instrumentalsolisten sowie originale Handschriften seiner Kompositionen. Sie sind das Wertvollste und Lohnendste, was diese hochintellektuelle und so vielseitig interessierte Persönlichkeit in einem relativ kurzen Leben geschaffen und der Nachwelt hinterlassen hat.

Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten besichtigt werden.

Eintritt frei

Ort: Hauptbibliothek der Stadtbibliothek Bautzen, Schloßstraße 10

Alte Fotografie von Artur Immisch

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